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Haushaltsrede des Finanzreferenten Dr. Christian Dollinger
Sehr geehrter Herr
Bürgermeister,
meine sehr verehrten
Damen und Herren,
Ende
letzten Jahres hatte ich anlässlich der Debatte über den
Nachtragshaushalt 2009 angemerkt,
dass aufgrund der Finanzpolitik der Gemeinde Unterhaching nicht der
Haushalt 2009
das Problem sei, sondern der Finanzplan für die Folgejahre.
Der
Haushalt 2009 konnte aufgrund der noch vorhandenen Reserven gerade
noch abgesichert werden.
Bereits
damals war aber ersichtlich, dass in Zukunft wohl nicht alles was
wünschenswert ist, auch tatsächlich umgesetzt werden kann.
Die
Haushaltslage der Gemeinde Unterhaching, verschärft durch die
Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise, würde
in den nächsten Jahren dadurch gekennzeichnet sein, dass weitere
Einsparungen erfolgen müssten.
Leider
hatte ich mit meiner damaligen Prognose nur teilweise recht.
Es
kommt alles noch viel schlimmer.
Die
Gemeinde hat einen prognostizierten Einnahmeausfall im Bereich des
Steueraufkommens von sage und schreibe rund 6,5 Millionen Euro.
Damit
das Landratsamt die Haushaltsvorlage überhaupt als zulässig
und genehmigungsfähig ansah, musste mehrfach nachgebessert
werden. Der Kämmerer war gezwungen im aktuellen Haushalt und im
Finanzplan für die Folgejahre die Ausgaben drastisch zu kürzen.
Extrem
zurückgefahren wird der Unterhalt für unsere Außenanlagen
wie den Landschaftspark und unsere Parkanlagen sowie der allgemeine
Bauunterhalt.
Ebenfalls
dramatisch gekürzt wird bei allen Investitionen, welche die
Gemeinde betreffen, sei es für die öffentliche Sicherheit
und Ordnung, die allgemeine Verwaltung oder für Gesundheit Sport
und Erholung.
Die
entsprechenden Einzelheiten sind im Investitionsplan niedergelegt.
Sollten
alle geplanten Einsparungen im Haushalt und im Finanzplan eins zu
eins in den Folgejahren umgesetzt werden, bedeutet
dies aber keine Entwarnung.
Die
bisher geplanten Einsparungen führen lediglich dazu, dass die
Gemeinde im Jahre 2015
keinerlei
verfügbare Rücklagen mehr hat
dafür
aber € 41 Mio. Schulden.
Die
resultierenden Zins- und Tilgungsaufwendungen belasten den Haushalt
dann zusätzlich.
Art.
61 Abs. 1 Satz 2 GO verbietet den Gemeinden, sich zu überschulden.
Eine
Überschuldung
ist anzunehmen, wenn die Schulden größer sind als das
Vermögen. Da bei der kameralistischen Verwaltungsbuchführung
das Vermögen nur teilweise bewertet ist, sind hier genaue
Aussagen schwer zu treffen.
In
der Literatur zur Gemeindeordnung wird daher auf Hilfskriterien
zurückgegriffen:
Erreicht
der Schuldenstand die durchschnittlichen
Einnahmen des Verwaltungshaushaltes der letzten drei Jahre, so muss
man die dauernde Leistungsfähigkeit der Gemeinde als gefährdet
ansehen.
Der
aktuelle
Verwaltungshaushalt beläuft sich auf € 43.8 Mio. Bei den
Einnahmen stammen dabei aber bereits € 2,3 Mio. aus den eigenen
Rücklagen der Gemeinde. Um diese Zahl müssten die Einnahmen
korrigiert werden. Die Folgehaushalte werden wohl ebenfalls in
dieser Größenordnung von rund € 42 Mio. liegen, sofern
die Steuereinnahmen nicht zu sprudeln beginnen.
Der
Schuldenstand der Gemeinde im Jahr 2015 liegt bei prognostizierten €
41 Mio. und damit praktisch in gleicher Höhe wie die
durchschnittlichen Einnahmen des Verwaltungshaushaltes.
Der
geplante Verschuldungsgrad erreicht daher nach Ansicht der CSU die
überhaupt zulässige Obergrenze.
Immer
wieder aufzuzeigen ist der Unterschied zwischen Verwaltungs- und
Vermögenshaushalt.
Der
Verwaltungshaushalt ist unser laufendes Konto, der Vermögenshaushalt
unser Sparbuch.
Folgt
man dem Finanzplan, ist das Sparbuch 2015 leer. Dafür haben wir
dann € 41 Mio. Schulden.
Auf
dem laufenden Konto, von dem eigentlich in erheblichem Umfang Gelder
auf unser Sparbuch fließen sollten, fehlen 2010 trotz der
Einsparungen rund € 2,3 Mio.
Diesen
Fehlbetrag nehmen wir vom Sparbuch, welches - wie bereits
aufgezeigt - im Jahr 2015 leergeräumt ist.
Um
aber überhaupt diesen Stand erreichen zu können, war es
erforderlich, alle freiwilligen Ausgaben der Gemeinde erheblich zu
reduzieren.
Sowohl
in 2010 als auch in den Folgejahren werden alle Zuschüsse
radikal gekürzt.
Musik-
und Volkshochschule erhalten deutlich weniger Geld. Dies wird bei
beiden Institutionen zu erheblichen und sehr schmerzlichen
Einschnitten führen.
Gleichzeitig
kommen die Gebühren für alle gemeindlichen Einrichtungen
auf den Prüfstand.
Dies
gilt für das gemeindliche Schwimmbad - für welches eine
Gebührenerhöhung ja heute bereits beschlossen werden soll -
ebenso, wie für alle anderen Einrichtungen.
Auf
die obengenannten Probleme und Konsequenzen hat die CSU Fraktion an
gleicher Stelle bereits vor einem Jahr hingewiesen.
Erneut
müssen wir uns aber fragen, ob
die
bisherigen Kürzungen für Haushalt und Planung ausreichen
und
hätte
man früher gegensteuern können bzw. woher kommt eigentlich
die Schieflage?
1.
Reichen die bisherigen Anstrengungen aus?:
Nach
Aussage der Verwaltung wird nicht in der Planung, sondern im Vollzug
gespart.
Das
bedeutet, die Planung ist nur die Vorgabe. Erst durch die
tatsächliche Freigabe der jeweiligen Gelder werden diese
ausgegeben.
Dies ist
prinzipiell natürlich richtig.
Für
mich ist dies aber ein Ansatz aus der Vergangenheit, den ich hiermit
deutlich kritisiere.
Wir
alle wissen, dass es gerade im Bereich der öffentlichen
Haushalte - und zugegebener Maßen auch bei großen
Firmen - üblich war und zum Teil wohl auch noch ist, in die
Planung Gelder einzustellen, damit diese Positionen nicht ggf.
ersatzlos gestrichen werden.
Für
uns Gemeinderäte bedeutet dies, dass wir daher nicht nur die
Einhaltung des Plans kontrollieren müssen, sondern während
des laufenden Haushaltsjahres weitere Kosteneinsparungen finden
sollen.
Nun
gut. Für die CSU Fraktion kann ich sagen: Dies werden wir tun.
In
diesem Zusammenhang möchte ich mich aber auch bei den Kollegen
der anderen Fraktionen bedanken.
Trotz
aller Meinungsverschiedenheiten haben wir in den letzten Wochen
weitreichende Entscheidungen gemeinsam und einstimmig getroffen.
Wir
müssen nun halt das umsetzen, was die CSU schon seit Jahren
gefordert hat.
2.
Hätte man früher gegensteuern können und woher kommt
die Schieflage?
Bei
der Frage, woher die Schieflage kommt, ist zwischen der jüngeren
Vergangenheit und den weiter zurückliegenden Jahren zu
unterscheiden.
Blickt
man auf die vergangenen eineinhalb Jahre zurück, so ist
anzumerken, dass die negativen Auswirkungen der Finanz- und
Wirtschaftskrise von Anfang an unübersehbar waren. Nach Ansicht
der CSU Fraktion hätte daher der Haushalt 2009 eigentlich
bereits höhere Sparanstrengungen erfordert.
Für
die Finanzlage in Unterhaching entscheidend ist jedoch, dass wir uns
diverse Großprojekte aufgehalst haben, für die wir nach
wie vor bezahlen müssen.
Die
Geothermie hat unser Altbürgermeister Dr. Knapek als
Gelddruckmaschine verkauft. Die ursprüngliche Idee war mit
geothermischer Wärme Strom zu erzeugen. Als sich dies während
des Projektes als völlig inakzeptabel herausgestellt hat und
klar wurde, dass die Rechnung auf unhaltbaren Wirtschaftsplänen
basierte, musste dramatisch gegengesteuert werden.
In den
Jahren 2010 bis 2013 sind allein für dieses Projekt - über
die bereits geleisteten Finanzhilfen hinaus - jedes Jahr € 2
Mio., insgesamt also € 8 Mio., als zusätzliche Finanzhilfe für
die Geothermie vorgesehen. Insgesamt sind dann über € 20 Mio.
Kapitalausstattung in die Geothermie geflossen.
Nur zur
Erinnerung: Die Gemeinde hat darüber hinaus Bürgschaften in
Höhe von rund € 70 Mio. übernommen, für welche
sie ebenfalls haftet.
Weitere
Großprojekte, wie beispielsweise die Realschule Taufkirchen, an
deren Baukosten die Gemeinde Unterhaching über den Zweckverband
mit rund € 10 Mio. beteiligt ist oder der Neubau der Schule im
Fasanenpark, belasten die Gemeindekasse zusätzlich.
3. Eine
weitere gewaltige Position im Haushalt sind die Personalkosten. Diese
belasten den Haushalt aufgrund zahlreicher neuer Stellenbesetzungen
mit knapp € 10 Mio.
Die
Ist- Kosten im Bereich Personal haben sich damit von € 7,7 Mio. im
Jahre 2007 auf knapp € 10 Mio. gewaltig erhöht.
Nochmals
zur Klarstellung:
Die
Gemeinde hat - so steht es auf unserer Homepage - etwas über
22.300 Einwohner mit Hauptwohnsitz in Unterhaching.
2008
hatten wir je Einwohner € 916 Gemeindeschulden.
Oberhaching
hatte 2008 € 279 Gemeindeschulden je Einwohner, Neubiberg € 229,
Ottobrunn € 145 und Taufkirchen € 6
(www.statistik.bayern.de).
Die
Stadt München lag - hochverschuldet - bei € 1.753
Gemeindeschulden je Einwohner.
Nach
Finanzplan hat Unterhaching im Jahr 2015 rund € 41. Mio. Schulden.
Je Einwohner hätten wir damit über € 1.800 Schulden je
Einwohner - also mehr als die Stadt München je Einwohner 2008.
Addiert
man die Schulden der Geothermie dazu - die Gesellschaft ist
immerhin eine 100 %ige Tochter der Gemeinde, sind wir bei über
€ 100 Mio. Schulden und damit bei
über € 4.500 Verschuldung je Einwohner.
Dies
wäre rund 15 mal so viel wie Oberhaching 2008 und rund 30 mal so
viel wie Ottobrunn 2008.
Zusammenfassung:
Sehr
geehrter Herr Bürgermeister, meine sehr verehrten Damen und
Herren,
in den
letzten Finanzausschusssitzungen ist wohl allen Teilnehmern klar
geworden, wie ernst die Finanzprobleme der Gemeinde sind.
Da alle
Fraktionen einheitlich auf Sparkurs gegangen und weitere gemeinsame
Kraftanstrengungen erforderlich sind, wird die CSU-Fraktion den
Haushaltsplan 2010 mit tragen und zustimmen.
Die
CSU wird alle denkbaren Einsparmaßnahmen unterstützen,
fordert aber auch deren entsprechende Umsetzung.
Den Finanzplan bis
zum Jahr 2013 bzw. bis 2015 müssen wir ablehnen.
Die
Umsetzung des Finanzplanes würde zu einer Verschuldung der
Gemeinde führen, die weit über dem Durchschnitt
vergleichbarer Gemeinden liegt.
Alle
für die nächsten Jahre vorgesehenen Investitionen müssen
aus unserer Sicht nochmals auf den Prüfstand.
Wie
die Zuschüsse für Musikschule und VHS müssen auch alle
geplanten Investitionen unter den klaren Vorbehalt der
Leistungsfähigkeit der Gemeinde gestellt werden.
Dies gilt
auch für den Neubau der Fasanenschule. Die CSU sieht für
die Schule sehr wohl dringenden Handlungsbedarf. Wir müssen aber
gleichzeitig feststellen, dass neben der notwendigen Sanierung
die geplante Erweiterung einer erneuten und genauen
Überprüfung bedarf.
Alle
bisherigen Planungen für die Schule beruhen auf der Prognose
stark steigender Schülerzahlen. Nach jüngsten
Feststellungen sind diese Prognosen aber so wohl nicht mehr haltbar.
So ist beispielsweise die Zahl der Hauptschüler in Unterhaching
von rund 300 im Jahr 2005 auf aktuell 210 gesunken. Dies ist fast
ein Drittel weniger.
Sehr geehrter
Bürgermeister:
Anlässlich des
Neujahrsempfanges haben Sie die Gemeinde mit einem Jumbo-Jet
verglichen.
Die CSU unterstützt
den geordneten Sinkflug des Jumbojets Unterhaching. Den Absturz oder
eine Notlandung wollen wir verhindern.
Herzlichen
Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
gez. Dr.
Christian Dollinger
Finanzreferent
der CSU-Fraktion Unterhaching
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